Botschaftsflüchtlinge

DDR-Flüchtlinge in den westdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest

„Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“

— Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Bundesaußenminister

Im Sommer und Herbst 1989 flüchteten tausende Menschen aus der DDR über die westdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und Budapest in die BRD. Am 30.September 1989 kam es nah zähen Verhandlungen zum großen Durchbruch. Mehrere Sonderzüge durften mit Genehmigung der DDR-Behörden die Botschaftsflüchtlinge nach Westdeutschland bringen. Viele der mit der Flüchtlingsbewegung verbundenen Ereignisse führten zum Fall der Berliner Mauer. Das Ende des „Eisernen Vorhangs“ war gekommen.

Doch in Westdeutschland und in der DDR sah man die Geschehnisse sehr gegensätzlich. Das zeigt sich besonders gut in den abendlichen Nachrichtensendungen der beiden Länder. Am 01.Oktober 1989 berichten sowohl die Tagesschau als auch die Aktuelle Kamera über die ausreisenden DDR-Flüchtlinge. Allerdings mit einigen Unterschieden. Schau gerne mal rein:

Vielleicht ist dir bereits aufgefallen, dass der Beitrag in der Aktuellen Kamera fast ausschließlich aus einem Kommentar besteht. Auch die Tagesschau hat nach ihrer ausführlichen Berichterstattung noch einen Kommentar gesendet. Beide Kommentare sind hier nochmal gegenüber gestellt. Sieh dir beide aufmerksam an und beantworte die angegliederten Fragen.

Hast du die beiden Kommentare nochmal aufmerksam angesehen? Dann versuche dich gleich mal am Quiz „Kommentar – ist doch ganz klar!“:

Hier kannst du dir außerdem einen kurzen Überblick über wichtige Ereignisse verschaffen, die zur Öffnung der inner-deutschen Grenze geführt haben:

Die Macht der Worte

Finde die Worte in dem Buchstabensalat, die dir wertend oder unsachlich vorkommen.

Framing (dt.: „Einrahmen“) bezeichnet die Beschreibung einer Information mit bestimmten Worten oder Formulierungen. Ziel der „Einrahmung“ ist es, ein bestimmtes Bild im Kopf der Zuhörenden zu erzeugen. Zum Beispiel: „Das Glas ist halb voll“ klingt sehr viel optimistischer als „Das Glas ist halb leer.“ Dabei ist im Glas bei beiden Aussagen dieselbe Menge an Flüssigkeit enthalten.

Auch im politischen Kontext wird Framing genutzt: Sprechen Politiker*innen vom maximalen Einkommen, das jemand für seine Arbeit erhalten soll, nutzen sie meist den Begriff „Mindestlohn“. Der hört sich deutlich positiver an als „Lohnuntergrenze“. Auch hier beschreibt jedoch beides exakt dasselbe. Bei Framing handelt es sich also nicht um eine Falschaussage, sondern um eine gezielte, oft bewusst wertende Wortwahl.

In Nachrichten kann Framing ebenfalls vorkommen. Im Spiel „Wer hat’s gesagt“ findest du einige geframete Auszüge aus den beiden Nachrichtensendungen. Finde heraus, ob du erkennst, welches Zitat aus der Tagesschau und welches aus der Aktuellen Kamera stammt und teste deine „Framing-Fühler“.